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NEUGESTALTUNG DES INNENRAUMS DER PFARRKIRCHE NEU- ST. NIKOLA, LANDSHUT

Der 1964 entworfene Neubau von Neu-St. Nikola in Landshut ist der erste Zentralbau und gleichzeitig der letzte Kirchenbau, den Hans Döllgast (1891-1974) im Alter von 73 Jahren entworfen hatte. Der Grundriss zeichnet ein griechisches Kreuz mit vier etwa gleich langen Armen nach und bildet – über ein niedrigeres Sakristei- und Erschließungsgebäude auf der Ostseite mit der gotischen Hallenkirche Alt-St. Nikola verbunden – mit dieser ein Ensemble. Den westlichen Abschluss der Baugruppe markiert ein schlanker hoher Kirchturm mit Pultdach.
Im Inneren erinnert der mittig angeordnete Altar an den Gedanken der Circumstanz, der Mahlgemeinschaft des Priesters mit den Laien, eine Grundidee des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Die funktionale Anordnung im Inneren war von Döllgast wohl so angedacht:
in drei Armen des Kreuzgrundrisses das Gestühl für die Gläubigen unterzubringen, im vierten jedoch den Chor und die Orgel. Auf dieses Konzept deuten die in gleichen Breiten nach hinten ansteigenden Stufen innerhalb des Chorarms sowie eine perspektivische Zeichnung von Döllgast hin. Leider hat er seinen Bau nicht fertiggestellt und sich schon 1965 bald nach Beginn der Arbeiten wegen Unstimmigkeiten mit der Bauherrschaft zurückgezogen. So blieb der Bau im Döllgastschen Sinne ein Torso. Für Chor und Orgel wurde 1968 rückseitig eine Empore, die auf vier Stahlsäulen ruht, eingebaut. Die beiden Ambonen seitlich und der in der Mitte auf eine Art Chormauer gesetzte Tabernakel verhinderten die räumliche Durchgängigkeit und erfahrbare Tiefe dieses vierten Kreuzarms. In späteren Jahren wurde die dort befindliche Empore noch mit einer Gipskartonwand zugeschalt.
Folgende vier Maßnahmen dienten dazu, die Klarheit wiederherzustellen und eine funktionale, liturgische und optische Verbesserung zu erreichen – eine Stärkung des Zentralraums im Döllgastschen Sinne:

1. Im Altarraum zur Stärkung des liturgischen Zentrums und der räumlichen Mitte:
Verbreiterung der Altarinsel, Entfernung der ersten Bankreihen um den Altar.

2. Im Chorraum zu dessen Öffnung:
Beseitigung von Chormauer und Gipskartonverkleidung der Empore, Einrücken und Freistellen der Ambonen, Rückversetzung des Tabernakels (Ort des Allerheiligsten) in die Tiefe des vierten Kreuzarms.

3. Die Rückwand neu vergoldet (die stärkste Intervention), davor frei schwebend die Kreuzigungsgruppe von Portzky, das Sonnenlicht tausendfach reflektierend wie ein gotisches Tafelbild, der alten gotischen Kirche Alt- St. Nikola zugewandt in Referenz an die Ursprungskirche.

4. Lichtkonzept:
Einbauleuchten in der Paneeldecke (gleich einem Sternenhimmel) zur Erzeugung unterschiedlichster Lichtszenarien und Stärkung des architektonischen Raums.
Ein neues Ganzes ist entstanden.


Bauherr: Katholische Kirchenstiftung St. Nikola in Landshut
Fertigstellung: 2014
Fotograph: Peter Litvai, Landshut
Architektur: Architektenpartnerschaft Nadler Sperk Reif